In den hochentwickelten Gesellschaften Europas heutzutage aus dem Berufsleben ausscheidende Menschen können oft auf umfangreiche internationale Reiseerfahrungen zurückblicken und bleiben auch im Alter zunehmend gesund und mobilitätsfreudig. Nach dem Vorbild US-amerikanischer Rentner beschließt auch in Deutschland eine immer größere Zahl dieser ”jungen Alten”, ihren Wohnsitz im Ruhestand an (klimatisch) attraktivere Standorte zu verlegen.
In den 1970er Jahren begannen die ersten Pensionäre den Absprung von der Heimat in die Küstenregionen des Mittelmeeres zu wagen. Spanien stand als ihr neuer Wunschwohnort im ”europäischen Sunbelt” besonders hoch im Kurs. Speziell Mallorca war – wie könnte es anders sein – auch für Altersmigranten ein besonders nachgefragtes Pionierziel, das sich bis heute ungebrochener Beliebtheit erfreut. Nach der Insel und aufgrund der augenfällig hohen Zahl an dort lebenden deutschen Ruhestän dlern werden alle Altersmigranten – wo auch immer sie ihren Altersruhesitz in Europa errichten – im allgemeinen Jargon und im Sprachgebrauch von Presse und Medien als ”Mallorca-Rentner” bezeichnet. Inoffiziellen Schätzungen zufolge gibt es etwa 600 000 dieser Mallorca-Rentner, von denen aber ”nur” etwa 50 000 tatsächlich auf der Insel leben. Umfangreichen Untersuchungen zufolge handelt es sich bei den auf Mallorca lebenden älteren, nicht mehr im Berufsleben stehenden Deutschen fast ausschließlich um Westdeutsche, die meisten von ihnen zwischen 55 und 70 Jahre alt. Unter ihnen befinden sich überdurchschnittlich ehemals Selbstständige sowie höher qualifizierte Angestellte und Beamte. Die Alterswohnsitze werden übrigens nicht immer ganzjährig bewohnt: Nur vier von zehn Senioren leben mindestens sieben bis zehn Monate auf Mallorca und weitere vier beschränken ihren Aufenthalt auf drei bis sechs Monate. Die durchschnittliche Verweilda uer der Ruheständler auf der Insel beträgt damit 8,6 Monate. Nicht immer sind die Angaben allerdings, die die Altersresidenten über iher Aufenthaltszeit auf Mallorca machen, auch korrekt. Nur wenige Auswanderer kappen die Verbindung in die alte Heimat im Übrigen komplett. Vor allem im Krankheitsfall kommen viele in die alte Heimat zurück – nicht nur der medizinischen Behandlung wegen. Auch die Vorstellung, womöglich einsam in der Fremde zu sterben, lässt manchen der sogenannten Mallorca-Rentner wieder reumütig in Heimat übersiedeln.